Mitmachen! Bürgerbeteiligung: Heliosgelände

Baulöwen aufgepasst! Bürgerbeteiligung eröffnet – HELIOS-PARK statt Helios-Höfe!

AKTUALISIERUNG 27. August 2010: Das nächste Treffen der Bürgerinitiative Helios findet am Dienstag, den 31.8.2010 um 20:00 Uhr in der Halle “Atelier Colonia” (Körnerstr. 37, Ehrenfeld) statt. Nach viel Presseresonanz auf unsere Veranstaltung im BÜZE Ehrenfeld, und nach einem ersten Treffen mit den Investoren, wollen wir uns diesmal auf die Veranstaltung der Bezirksvertretung Ehrenfeld zum Thema am 15.9. vorbereiten.


AKTUALISIERUNG 3. August 2010: Mittlerweile hat der Eigentümer des Areals, eine gemeinsame Grundstücksgesellschaft von Bauwens und der MFI (Management für Immobilien AG – die haben die Arcaden in Kalk verbrochen), sein Vorhaben präzisiert: In die Rheinlandhalle – jetzt ein Möbelladen, ein Fahrradladen und ein Fitnessstudio – soll eine Markthalle, in der Frischwaren verkauft werden sollen. Da sich der Betrieb einer solchen allein nicht rentiere – und um nichts anderes geht es hier – soll drumherum eine Mall mit mindestens 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Alles gehalten im Stil einer Industrie-Architektur, “die die vorhandenen Formen aufnimmt und eine hohe Aufenthaltsqualität bietet”. Aha und na ja. Mehr dazu in einem Artikel des KSTA vom 3. August.


AKTUALISIERUNG 2. Juli 2010: Die Informations- und Diskussionsveranstaltung der Bürgerinitiative Helios im Bürgerzentrum Ehrenfeld war ein großer Erfolg: Mehr als 200 Gäste fanden trotz der sensationell hohen Temperaturen den Weg ins Büze.

Hier ein paar Eindrücke aus Sicht von DEINE FREUNDE:

Abschreckendes Beispiel Köln Arcaden

Zunächst zeigte Almut Skriver von der BI-Arbeitsgruppe Stadtentwicklung historische und aktuelle Bilder vom Heliosgelände und kontrastierte sie mit Schockbildern von den Kalker Arcaden. Die Parallelen sind offensichtlich: Auch in Kalk wurde eine ehemalige Industriebrache “verschönert”, dort wurde ein ganz ähnlicher Turm wie der Heliosturm entgegen allen Regeln der Kunst “umbaut”. Grauenhaft!

Potenzialanalyse auf dem Prüfstand

Danach stellte Marc Höhmann vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik die umstrittene Potenzialanalyse der Bezirksvertretung Ehrenfeld vor. Diese weist nicht nur nach Ansicht von DEINE FREUNDE erhebliche Mängel auf: Nur ein Beispiel: Der untere Teil der Venloerstraße wird als Trading-Down-Area diffamiert – da wo im Zuge des Moscheebaus zahlreiche neue Geschäfte entstehen werden und wo gerade ein flammneuer Aldimarkt aufgemacht hat, wo der Weltempfänger sich etabliert hat und es diverse Bistros und Fachgeschäfte gibt – das ist also Trading-Down in den Augen der Stadtverwaltung? Herr Höhmann versicherte im übrigen, dass der Stadt bislang weder Pläne noch ein Bauantrag des Investors vorliege.

Gute Jobs, schlechte Jobs

Mit Axel Stadtländer von der Buntbuchhandlung und Daniel Kumme vom Designquartier (derzeit Mieter auf dem Gelände) kamen auch unmittelbar Betroffene der geplanten Helios-Höfe zu Wort. Dem Buchhändler geht es dabei nicht nur um die Konkurrenz in Form eines Buchdiscounters auf dem Gelände, sondern auch um den sich dann verändernden Charakter des ganzen Viertels. Ein Verdi-Vertreter schilderte die Folgen eines Einkaufszentrums für die Beschäftigten des Einzelhandels auf der Venloerstraße anhand des Beispiels Kalker Hauptstraße. Dort haben nach Eröffnung der Arcaden zahlreiche Geschäfte zumachen müssen. Qualifizierte Mitarbeiter verloren ihre Jobs – und im Einkaufszentrum werden bloß Aushilfen gesucht.

Wie viel Geld hat der Ehrenfelder?

Nach dem Podiumsteil entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bei der insbesondere die Potenzialanalyse der Stadt ins Visier geriet. Engagierte Ehrenfelder wiesen darauf hin, dass im Barthonia-Forum Läden leerstehen. Warum also neu bauen, anstatt den Leerstand auffüllen? Auch die jetzt schon angespannte Verkehrssituation um das Heliosgelände wurde thematisiert – wie würde sich ein Einkaufszentrum darauf auswirken? Kommen die neuen Kunden umweltfreundlich mit Bahn oder Fahrrad – wie die Analyse suggeriert – oder doch eher mit dem Auto? Werden die neuen Kunden nach dem Einkauf im Helioseinkaufsparadies die Venloerstraße hoch und runter flanieren – wie die Analyse suggeriert – oder sich ins Auto setzen und zurück nach Kerpen fahren? Und überhaupt: reichen über 30.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche auf der Venloer Straße nicht sowieso aus?

Von Kalk lernen

Erfreulich war auch die Beteiligung einiger Kalker Bürger, die mit den Arcaden das schon hinter sich haben, was Ehrenfeld noch bevorsteht. Dabei wurde klar: Eile ist geboten! Nette Gespräche mit dem Bauderzernenten dienen nach den Erfahrungen der Kalker Betroffenen in der Regel nur der Beschwichtigung des Bürgerwillens. Das hätten die Kalkarcaden gezeigt. Da habe es auch im Vorfeld zahlreiche Unterhaltungen “in angenehmer Atmosphäre” (auch mit Herrn Höhmann, dem Podiumsgast aus der Stadtverwaltung) gegeben – das Ergebnis ist nun in Kalk zu bewundern. DEINE FREUNDE vermuten, dass bereits fertige Pläne für das Heliosgelände in der Schublade von Bauwens-Adenauer liegen. Angeblich stellt die Bauwens-Gruppe diese am 15. September 2010 auf Einladung der Bezirksvertretung Ehrenfeld vor (Siehe Termine).

Die Veranstaltung machte klar: Ein einheitliche Linie gibt es bislang in der BI noch nicht. Während DEINE FREUNDE an ihrer Maximalforderung, gar kein Einkaufszentrum zu bauen, festhalten, wollen andere Mitglieder eher bei der Gestaltung der Helios-Höfe mitreden. Welche Strömung sich am Ende durchsetzt, ist zum derzeitigen Zeitpunkt aber egal. Hauptsache ist, der Investor und seine Unterstützer in Rat und Verwaltung bekommen Gegenwind zu spüren.

Auch die Presse berichtet:
KSTA: Heliosgelände – Bürger gegen Einkaufszentrum
Report-K: Zukunft der Helios-Höfe: Leuchtturmprojekt oder 08/15 Shopping Mall – Bürgerinitiative in der Büze
Stadtrevue: Kein Bock auf uniforme Filialisten – Helios-Gelände

Die BI hat jetzt eine eigene Hompage: Bürgerinitiative Helios.

Als Zückerchen noch das: Spiegelonline: Hohe Wertsteigerung – Adenauer-Enkel machen erstaunliche Grundstücksdeals


Bald Park oder Konsumtempel?

Brachgelände seit Jahrzehnten - doch was passiert nun?

Folgender Artikel beschreibt die Position von DEINE FREUNDE, nicht die der BI Helios

Der Artikel der Stadtrevue vom April 2010 brachte Ehrenfelds prominenteste Brache zurück in die öffentliche Diskussion. Hatten wir uns doch die vergangenen Jahre fast an dieses auf den ersten Blick unwirtliche Gelände gewöhnt, so ist von der Öffentlichkeit fast unbemerkt doch einiges geschehen. Ein Bebauungsplan ist seit 2006 aufgestellt,  das Gelände wurde 2008 an die Bauwens-(Adenauer)-Gruppe verkauft. Die Idee auf dem Gelände ein neues Bezirksrathaus zu bauen wurde in der Zwischenzeit auch wieder verworfen.

Was ist nun geplant?

Ein privater Investor möchte natürlich in erster Linie Geld verdienen, und dies will Bauwens mit einem großen Einkaufszentrum. Rund 30.000 qm Verkaufsfläche wird auf  Bauwens-Seite gewünscht, die Stadt hält bislang maximal ca. 20.000 qm für verträglich. Daneben sind 8.000 qm Mittelklasse-Wohnraum sowie 3.500 qm Bürofläche vorgesehen.Von Grünflächen hört man nichts.

Wer ist bedroht?

Rheinlandhalle (BOC, Yellow-Möbel, Fitness etc.), Heliosturm und Helioshaus (Ärztehaus) sind denkmalgeschützt, die Halle des italienischen Supermarktes möchte die Ehrenfelder SPD ebenfalls unter Denkmalschutz sehen. Dem Underground und weiteren Ateliers droht jedoch der Abriss.

Am meisten fürchten muss sich jedoch der Ehrenfelder Einzelhandel, ein Einkaufszentrum in der Größe der Kalk-Arkaden könnte massiven Umsatz-Abfluss für die Venloer Straße und deren Geschäfte bedeuten.  Natürlich setzt sich für diese Geschäftsleute auch die Bezirksvertretung ein, so wurde ein Gutachten angefordert.

Die Potenzialanalyse

Im Gutachten der Gesellschaft Stadt + Handel aus Dortmund werden die Auswirkungen der sog. “Helios-Höfe” auf die Venloer Straße untersucht, und gleichzeitig Sortiment- nebst Flächenempfehlungen für ein mögliches Einkaufszentrum ausgesprochen. Grundlegende Idee ist hierbei, dass der bestehende Handel hauptsächlich kurzfristigen Bedarf (Lebensmittel, Drogerie) abdecke, wenn man dagegen in den Helios Höfen mittelfristigen Bedarf (z.B. Textilen) ansiedele, kommen sich die beiden Zentren nicht in die Quere, im Gegenteil: Mit den beiden dicken Enden Helios Höfe und Kaufland, sowie der dazwischen liegenden Venloer Straße entstehe eine ‘Knochenstruktur’,  Konsumenten pendeln zwischen den beiden Zentren hin und her und beleben(!) nebenbei auch noch den eingesessen Einzelhandel.

Alles gut?

Mitnichten! Nach mehreren Nachprüfungen seitens der Gutachter wurde die Flächenempfehlung nicht nur von 15.000 – 17.000  auf 20.600 qm hochgeschraubt. Auch die Konzentration auf den mittelfristigen Bedarf wurde aufgeweicht, so findet sich nun doch kurzfristiger Bedarf in der Empfehlung: Lebensmittel, Körperpflege, Apotheke … Besonders entzündet hatte sich der Streit zwischen Politik und Investoren auch anhand der geplanten Großbuchhandlung im Center, kann Ehrenfeld doch noch einige Buchläden nennen, und sogar in den vergangenen Jahren neue ansiedeln. Im Gutachten gelten diese Buchhandlungen aber als z.T. sehr spezialisiert, als Beleg hierfür muss eine türkische Buchhandlung herhalten. Dass der ‘andere Buchladen’ und die Bunt-Buchhandlung Vollsortimente führen wird nicht erwähnt. Erstaunlich auch, dass in Sachen Buch die empfohlene Verkaufsfläche von 400 qm (erstes Gutachten) auf 680 qm in der zweiten Ergänzung ansteigt. Die Begründung ist interessant: Potenzielle Interessenten wie Thalia oder Hugendubel brauchen 700 qm, da Ehrenfeld aber in dieser Größe keine leerstehende Ladenlokale zu bieten hat, muß der Buchmarkt mehr Platz als vorgesehen in der Mall bekommen. Unverhohlener kann man dem Investor wohl kaum das Wort reden! Auch die Beschreibung der Situation auf der Venloer Straße trifft den Kern nicht. Im Gutachten wird betont, dass die Helios Höfe auch eine Chance für die Venloer Straße bedeuten könnten (wir erinnern uns: Knochenstruktur), um diese Hilfsbedürftigkeit zu untermauern wird dem Anfang der Venloer Straße in Ehrenfeld eine ‘trading down’ Tendenz unterstellt. Obi hat dort geschlossen, das Viertel geht den Bach runter. Hier ist jedoch seit Jahren das Gegenteil der Fall, statt Obi gibt es nun Aldi, gegenüber der Piusstrasse eröffnete das Hostel Weltempfänger in einem vormals leerstehenden Hotel, und auch den Moscheebau kann man durchaus als äußerst repräsentativen ‘Dienstleister’ verstehen.

Damit kein falscher Eindruck entsteht. Die Venloer Straße ist nicht Kölns schönste Einkaufsmeile, auch intakt ist sie sicher nicht, doch wer länger in Ehrenfeld wohnt, merkt: Es geht wieder aufwärts! Strauss Innovation, Weinhandlung Scholzen, Saveurs de Provence, ‘immer Essen’, die Bunt-Buchhandlung etc., sie alle haben sich ganz bewußt an der Venloer Straße angesiedelt, ganz ohne Einkaufszentrum! Die Stadt Köln investiert derzeit Millionen in die Umgestaltung der Straße, ein neues Einkaufszentrum gefährdet alle bescheidenen Erfolge der letzte Jahre! Bleibt noch die Frage: Wer braucht eigentlich diese Mall?

Was wollen wir?

Ganz sicher nicht ein neues Einkaufszentrum! Auch nicht den  zusätzlich entstehenden Verkehr. DEINE FREUNDE wollen den Bestand auf dem Helios Gelände erhalten, die gewiß nicht schönen Brachflächen wollen wir in einen Bürgerpark verwandeln. Ehrenfeld braucht Grün, und keinen neuen Konsumtempel, der den bestehenden Einzelhandel gefährdet!

Wie geht es weiter?

In der Politik wird bislang nur über Sortiment und Größe des Einkaufszentrums diskutiert. In Ermangelung anderer Ideen und Investoren möchte niemand Bauwens-Adenauer verschrecken. Wir machen uns diese Sorgen nicht! Politik und Bürger haben noch genug Einflussmöglichkeiten, lasst uns gemeinsam diese ausloten. Entwickeln wir einen Weg hin zu einem grünen Zentrum Ehrenfelds in dem man sich gerne aufhält. Mischen wir uns ein: Die Bürgerbeteiligung ist eröffnet! Wir haben alle Chancen!

Quellen, das zitierte Gutachten, weitere Infos hier:

Bürgerinitiative Helios

Ansprechpartner bei der Stadt: http://www.stadt-koeln.de/4/stadtplanung/bebauungsplaene/01371/

Gutachten, Bebauungsplan & andere offizielle Unterlagen: http://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=22348&voselect=4492

Facebookseite der Bürgerinitiative “Keine Helios-Höfe in Köln-Ehrenfeld”

Koelncampus: Interview mit FREUNDIN Ute Symanski zum Heliosgelände

Artikel der Stadtrevue vom Juni 2010

Artikel der Stadtrevue vom April 2010

Artikel im KStA vom 3.5.2010

Artikel im KStA vom 19.4.2010 http://www.ksta.de/html/artikel/1270457664698.shtml

Artikel im KStA vom 14.5.2008 http://www.ksta.de/html/artikel/1209912081616.shtml

Mitdiskutieren: Deutsches Architektur Forum

Und hier haben wir noch einen ersten virtuellen Blick in eine mögliche neue Mall

Artikel Stand: 4.5.2010, Autor: Thor Zimmermann